Im Grunde handelt es sich um eine Abwärtsspirale, die sich immer schneller dreht.
Es beginnt mit der Arbeitslosigkeit und dem zunächst umumstößlichen Glauben an sich selbst und seine eigene Kraft... man wird schon einen Job finden, so denkt man...
Betroffene mit der "frischen" Kündigung in der Tasche - die noch im Job sind, kennen die Mutlosigkeit zunächst nicht, die Entmutigung, die dann von Bewerbung zu Bewerbung immer weiter zunimmt - es ist noch Schwung drin, gerade weil man noch in Arbeit steht, mit der täglichen Praxis konfrontiert ist, Aufgaben hat, die man routiniert, ja bestens bewältigt.... Nichts kann einem passieren.
Und so bewirbt man sich... bei Hinz und bei Kunz, bringt sein kleines Netzwerk in Schwung, lässt Verbindungen spielen, sitzt stundenlang über einem einzelnen Satz, den es in einer Bewerbung noch auszuformulieren gilt, geht frohen Mutes einfach so in Unternehmen und stellt sich vor...
Anfangs hat man dafür auch noch Geld... die Bewerbungsmappen sind demzufolge die etwas Besseren... das Papier auf dem die Zeugnisse kopiert sind, ist glatter und die Fotos sind besser... kleine Spielereien mit Deckblatt und Co runden das Gesamtbild ab...
Dann steht der zweite Gang zur AA bevor - nach Eintritt der tatsächlichen Arbeitslosigkeit, der Antrag auf ALG, den ersten Besuch bezüglich Arbeitssuchendmeldung hat man noch forsch hinter sich gebracht... aber nun... 4 Wochen sind um, das letzte Gehalt überwisen und kein neuer Job ist in Sicht...
.... die ersten "Rückläufer" hat man auch schon aus dem Briefkasten gezerrt... meistens kann man die Mappen nicht einmal für eine weitere Bewerbung nutzen...
... bei einigen Absagen hat man vielleicht sogar ein Wenig geweint... nach außen oder nach ganz tief drinnen, bloß den Kopf hochhalten... weitermachen...
Mittlerweile ist auch der Bescheid auf Arbeitslosengeld eingetrudelt, gerade rechtzeitig zur nächsten Mietzahlung, man setzt sich hin und rechnet...
Da man vorweg ein ganz anderes Leben geführt hat, stehen einige Kündigungen ins Haus... das Zeitschriftenabo... man watschelt zur Bank und bespricht, wie man den Dispo ratenweise zurückführen kann, der Handyvertrag ist kündbar in einem Monat, ist also in 4 Monaten vom Tisch - gottseidank - , wo könnte man noch sparen?
Das ist der Moment, in dem man anfängt sich einzurichten - wenn das erste ALG auf dem Konto eintrudelt und man feststellt - jup... es reicht... und eigentlich gibt man auch weniger aus als vorher... kein Mittagessen in der Firma, keine teuren Frühstücksbrötchen mehr, Auto muss nicht mehr ständig betankt werden und der Kauf von Büro- oder Arbeitskleidung entfällt auch.
Meistens übersieht man, dass man Zuhause deutlich höhere Kosten produziert, es brennt mehr Licht und die Heizung läuft öfter, aber zunächst ist alles ok. Ja, man stellt sogar fest... es ist Zeit da.. Zeit für die Kinder, Zeit für sich... endlich kann man den Keller aufräumen, sich mit Freunden treffen, ohne auf die Uhr zu schauen, die CD- oder Fotosammlung neu sortieren, den Werkzeugschrank ausmisten....
Dumm dabei.... irgendwann ist das alles fertig und dann stellt man fest... die Freunde schauen auf die Uhr, wenn man sich trifft und letzten Endes, man hat das Geld nicht mehr für das Gläschen Wein nach dem Kino... man ist 4 Monate arbeitslos, hat etwa 100 Absagen gesammelt - Zuhause ist alles vom Feinsten aufgeräumt und....
.... man darf nun nicht mehr sein vorheriges Gehalt fordern, wenn man sich bewirbt... noch 2 Monate... und man arbeitet in Höhe seines Arbeitslosengeldes... Inzwischen gab es zahlreiche, hoffnungsvolle Vorstellungsgepräche, man hat sich durch Basis-Assessments "gewühlt" und Absagen kassiert... inzwischen ist man schon abgestumpft, wenn man den Briefkasten aufschließt... Selbstschutz halt.
Einige schaffen es nach dieser Zeit.. nicht wenige zu deutlich abgespeckten Lohn oder Gehalt wieder einen Job zu erhalten...
Der "Rest" und bei 6 Mio Erwerbslosen und 1,5 Mio offenen Stellen, muss es einen "Rest" geben, stellt Antrag auf ALG II... Aus... vorbei... ausgemustert... versagt...
Die Eingestellten beten, dass sie ihren Job wenigstens so lange behalten, das sie wieder neuen Anspruch auf ALG haben werden... ok, es wird nicht mehr so hoch sein, wie bei der letzten Arbeitslosigkeit, eigentlich reicht es nicht mehr zum Leben aber irgendwie schafft man es, Dispo ist fast runter, Handy ist auf Prepaid umgeschaltet... Eigentlich hat man sein Vertrauen bereits verloren - das Vertrauen in sich selbst, es zu schaffen, etwas zu wagen, zu leben?
Der Lebenslauf wird mit der Zeit bunter - Vorstellungsgespräche finden immer öfter nicht statt und wenn man die Zeitung am Samstag aufschlägt, findet man fast nur noch Stellenanzeigen von Zeitarbeitsfirmen... Moment mal... hat der Chef nicht neulich angedeutet, er müsste Stellen reduzieren, einige Kollegen haben bereits eine Änderungskündigung vorgelegt bekommen...
Und so dreht sie sich immer weiter - die Abwärtsspirale... wann war man das letzte Mal beim Friseur? Muss der Wagen nicht eigentlich zum TÜV? Die Eltern wollen etwas schenken - wie wäre es mit einem Gutschein von O**o für die nächste Waschmaschine?
Und bei der übernächsten arbeitslosen Phase muss man erg. Leistungen bei der ArGe beantragen - der erste Rentenankündigungsbescheid flattert ins Haus, man braucht nicht nachzurechnen um die Lücken zu erkennen... private Vorsorge... die wurde angerechnet, weil sie sich nicht umwandeln ließ... die Kinder bräuchten mal etwas Neues zum Anziehen, wollte man nicht mit ihnen zu den Verwandten fahren?
Der Lebenslauf passt noch mit Müh und Not auf eine Seite - bei Bewerbungen legt man nicht mehr alle Zeugnisse in die Mappe - den Zuschussrahmen für Bewerbungskosten hat man im August bereits ausgeschöpft...
... und wer besonders viel "Glück" hat findet sich sogar in seiner alten Firma wieder - eingestellt über ein vorgeschaltetes Zeitarbeitsunternehmen... zur Hälfte des früheren Gehaltes "beschäftigt" - aber mit doppelter Arbeitszeit, die auf ein imaginäres "Zeitkonto" wandert, an dem sich die ZAF bedient.
Man mag meine Erzählung für überzeichnet halten und sicherlich ist es noch nicht so weit - aber es wird so weit kommen und zwar für ganz viele Menschen, die dies jetzt noch nicht einmal ahnen.




Es ist schwer das Glück bei sich zu finden und es ist ganz unmöglich, es anderswo zu finden.
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Torsten
Über alles hat der Mensch Gewalt, nur nicht über sein Herz.
Sind Firmen nicht gesetzlich dazu verpflichtet, Bewerbungsunterlagen zurück zuschicken??
aber ihr wert lachen ich habe bei meinen Onlinebewerbungen immer
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