PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Es fehlen einfach männliche Bezugspersonen - wie löst Ihr das Problem?



bine65
03.10.2009, 23:47
Hallo Kristin und Torsten,

ich weiß nicht, ob mein Anliegen an diese Stelle gehört, hab aber keine passendere Rubrik gefunden. Hier geht es ja eher um praktische und finanzielle Fragen. Bei Bedarf verschiebt den Beitrag also einfach. Danke. :knuddel:

Und nun zu meinem Problem beziehungsweise meiner Frage.

Ich bin alleinerziehend von Anfang an, mein Sohn ist 4 Jahre alt. Der Kontakt zum Vater ist eher sporadisch, das liegt aber am Vater.
Mein Sohn leidet darunter sehr.
Und schon sehr früh ist mir aufgefallen, wie sehr ihm der Kontakt zu Jungs und Männern fehlt. Er wächst ja nicht nur ohne Vater auf, er ist auch noch Einzelkind.
Leider haben wir Zwei auch sonst niemanden, also keine Familie. Es gibt noch eine Oma, aber die ist schon sehr alt und gebrechlich. Opa's gibts keine mehr. Auch in der KiTa sind nur Frauen und in seiner Gruppe gibts auch noch mehr Mädchen als Jungs.
Ich nutze wirklich jede Gelegenheit, daß er mit Jungs spielen kann. Aber das ist einfach zu wenig.
Ich habe auch schon nach einem Ersatzopa oder sowas gesucht, bisher erfolglos. Entweder die sind ungeeignet, oder wenn sie geeignet wären, haben sie andere Interessen, als sich um einen Vierjährigen zu kümmern.

Da ein neuer Partner nicht in Sicht ist und das ja auch nicht so einfach ist, haben wir also ein Problem.

Mich interessiert, wie andere Alleinerziehende damit umgehen. Habt Ihr Männer in Eurer Umgebung, die sich auch mal um Eure Jungs kümmern, oder auch um Eure Töchter, für die ist das ja auch wichtig. Obwohl ich glaube, daß es für Jungs noch wichtiger ist.
Falls Ihr solche Möglichkeiten nicht habt, wie geht Ihr mit der Situation um? Oder habt Ihr Ideen, was ich noch machen könnte?
Außer einen Partner suchen, bitte. :) Erstens ist das nicht so einfach und ich will auch nicht um jeden Preis einen, nur damit mein Sohn eine Art Ersatzpapa hat. ;)

Ich bin echt ratlos. Ich habe dieses Bedürfnis meines Sohnes fast von Anfang an gespürt, aber je älter er wird, desto wichtiger scheint es für ihn zu werden.

Kennt hier jemand das Problem? Wisst Ihr, was ich meine?

SandySZ
04.10.2009, 08:49
Also ich weiss was Du meinst,aber ich habe das Problem nicht....muss aber auch dazu sagen,daß meine Kinder in keinster Weise eine Auffälligkeit aufweisen bezüglich des männlichen Bezugs.Ich meine es scheint Ihnen nicht zu fehlen....Ich habe einen bunten recht grossen Bekanntenkreis wo sich jeder um jeden mal kümmert wenn man sich trifft...

Allerdings hat mein Sohn (3) einen männlichen Fußballtrainer den er sehr mag und meine Tochter (fast 5) einen männlichen Turnlehrer,den sie heiss und innig liebt....Aber seine Frau die Amys Jazzdance leitet liebt sie genauso.

Was ist denn zb mit Fussball? Da sind doch meistens männliche Trainer!!!

Nobby
04.10.2009, 10:49
Hallo Biene,
dein Wusch ist offenbar der von vielen allein erziehenden Müttern, so habe ich es jedenfalls aus Gesprächen oft herausgehört.
Und ich kenne diese Fragestellung aus eigenen Erfahrungen.
Bin Vater von nun 2 erwachsenden Kindern. Einem Mädchen und einen Jungen.
Die Mutter meines Sohnes hatte auch oft diesen Mangel (kein Mann im Haus) als Defizit für ihren Sohn angesehen.
Nun sind meine Kinder in Kopenhagen groß geworden und in Scandinavien sind fast ebenso viele Männer als Erzieher in den Tagesstätten wie Frauen. So, von daher sind also diese Bezugspersonen für die "Kerlenspiele" vorhanden.

Trotzdem hatte sie die fixe Idee, da muss ein Mann in meiner Nähe sein (natürlich nur für den Jungen). Da war dann einige Zeit der Exmann stundenweise der Ersatzvater.
Für mich stellt sich aber auch die Frage, ist diese Vorstellung, Jungen brauchen Männer in ihrer Nähe, eher der Wusch der Mütter nach Nähe von Mann.
Mein Sohn hat wild und innerlich mit seinen Puppen einige Jahre gespielt, dass sich mir der Magen umgedreht hat in meiner grenzenlosen Unvernunft.
Und die bange Frage was wird nur aus dem Jungen. Diese Phase ging aber vorbei und dann kamen härtere Herausforderungen. Schlittschuhlaufen auf dem zugefrorenen See und da wurden auch Mädchen geduldet. Ich spreche jetzt von einem Alter zwischen 9-12 Jahren. Und etwas später (Jahre) waren die bald wichtiger als die Kumpels.

In Bremen habe ich eine Ziehtochter. Dieses Mädchen wollte mit den kleinen tollpatschigen Kerlchen lieber rumtoben. Und sie hatte eine diebische Freude, wenn einer der Tollpatsche beim balanzieren auf Ästen die über dem See reichten ins Wasser rauschte. Sie war ihnen ja motorisch überlegen. Gut sie hatte mich, aber nur für 1-2 Tage am Wochenende. In der anderen Zeit war ich in Hamburg wochentags auf einer kleinen Studentenbude.

Beide haben sich ein Umfeld gesucht in denen ihre Bedürfnisse befriedigt wurden und da wurde nicht von der Mutter oder mir nachgeschoben.


Ich habe auch schon nach einem Ersatzopa oder sowas gesucht, bisher erfolglos.
Ist das wirklich so eine tolle Idee? Die eigenen Verwandten kann man nach meiner Meinung nicht ersetzen und ich hätte ein mulmiges Gefühl.


Der Kontakt zum Vater ist eher sporadisch, das liegt aber am Vater.
Mein Sohn leidet darunter sehr.
Vielleicht solltest du hier mehr arbeiten. Frauen sind in Lage ganz gut die Männchen zu steuern und zu erziehen (die merken das zuerst gar nicht - spreche aus eigener Erfahrung).


Mein Sohn leidet darunter sehr.
Spürst du es oder äußert er sich dazu? Oder ist es mehr dein Wunsch, weil du es als Mangel ansiehst. Unsere Gesellschaft gibt immer noch Normen vor für:" Was sein sollte!" Einige meinen es sind alte bewährte Modelle. Muss man den diese Modelle annehmen und wenn nicht möglich als Defizit ansehen?

Sollte ich zu sehr vom Thema abgeglitsch sein, dann entschuldigt, es ist so vielfältig.
LG. Nobby

bine65
04.10.2009, 17:11
Trotzdem hatte sie die fixe Idee, da muss ein Mann in meiner Nähe sein (natürlich nur für den Jungen). Da war dann einige Zeit der Exmann stundenweise der Ersatzvater.
Für mich stellt sich aber auch die Frage, ist diese Vorstellung, Jungen brauchen Männer in ihrer Nähe, eher der Wusch der Mütter nach Nähe von Mann.

Also, ich sehe das nicht als fixe Idee. Und es ist nicht mein Wunsch, sondern der meines Sohnes. Wenn er so zufrieden wäre, wäre ich es auch, warum sollte ich mir dann so einen Stress machen und versuchen, jede Gelegenheit zu nutzen. Für mich mache ich das bestimmt nicht. Wie gesagt, ich bin nicht auf Partnersuche. Ich denke, so geht es vielen Alleinerziehenden.


Beide haben sich ein Umfeld gesucht in denen ihre Bedürfnisse befriedigt wurden und da wurde nicht von der Mutter oder mir nachgeschoben.

Mein Sohn kann sich sein Umfeld noch nicht allein suchen, dazu ist er noch zu klein. Er ist da schon auf meine Mithilfe angewiesen. Ich mache nichts, was er nicht will.



Zitat:
Ich habe auch schon nach einem Ersatzopa oder sowas gesucht, bisher erfolglos.

Ist das wirklich so eine tolle Idee? Die eigenen Verwandten kann man nach meiner Meinung nicht ersetzen und ich hätte ein mulmiges Gefühl.

Und was ist, wenn keine Familie da ist??? Hab ich doch geschrieben, daß wir niemanden haben. Da ist ein Ersatzopa keine so schlechte Idee, finde ich. Und selbstverständlich schaue ich mir den super genau an. Da bin ich auch sehr misstrauisch. Aber vermutlich komme ich eh nicht in die Verlegenheit, weil ich einfach niemanden finde.



Zitat:
Der Kontakt zum Vater ist eher sporadisch, das liegt aber am Vater.
Mein Sohn leidet darunter sehr.

Vielleicht solltest du hier mehr arbeiten. Frauen sind in Lage ganz gut die Männchen zu steuern und zu erziehen (die merken das zuerst gar nicht - spreche aus eigener Erfahrung).

Wenn das so einfach wäre, wäre es ja schön. Du kennst meinen Ex nicht. Vielleicht kann man Männer steuern, mit denen man eine Beziehung hat, aber sicher nicht den Ex. Der schaltet einfach auf stur und fertig. An dem beiße ich mir die Zähne aus. Und was nutzt meinem Sohn ein erzwungener Kontakt?



Zitat:
Mein Sohn leidet darunter sehr.

Spürst du es oder äußert er sich dazu? Oder ist es mehr dein Wunsch, weil du es als Mangel ansiehst. Unsere Gesellschaft gibt immer noch Normen vor für:" Was sein sollte!" Einige meinen es sind alte bewährte Modelle. Muss man den diese Modelle annehmen und wenn nicht möglich als Defizit ansehen?

Ich richte mich nicht nach irgendwelchen Modellen. Nicht ich sehe das als Mangel, sondern er. Ich spüre das und er sagt es auch ganz klar. Er hat von klein auf immer die Nähe zu anderen Jungs und Männern gesucht, von Frauen war er meistens genervt, von Mädchen sowieso. Das ist einfach so, das hat mit gesellschaftlichen Normen nichts zu tun. Jungs brauchen Jungs, große wie kleine. Das ist für mich Fakt. Hab ich übrigens auch bei anderen Jungs beobachtet.

bine65
04.10.2009, 17:16
Also ich weiss was Du meinst,aber ich habe das Problem nicht....muss aber auch dazu sagen,daß meine Kinder in keinster Weise eine Auffälligkeit aufweisen bezüglich des männlichen Bezugs.Ich meine es scheint Ihnen nicht zu fehlen....Ich habe einen bunten recht grossen Bekanntenkreis wo sich jeder um jeden mal kümmert wenn man sich trifft...

Da hast Du wirklich Glück! Sowas fehlt uns leider.


Allerdings hat mein Sohn (3) einen männlichen Fußballtrainer den er sehr mag und meine Tochter (fast 5) einen männlichen Turnlehrer,den sie heiss und innig liebt....Aber seine Frau die Amys Jazzdance leitet liebt sie genauso.

Was ist denn zb mit Fussball? Da sind doch meistens männliche Trainer!!!

Für Fußball scheint er noch zu klein zu sein, jedenfalls will er das nicht. Habe ich schon versucht. Beim Turnen gibt es hier bei uns nur Frauen...

Nefertari1968
04.10.2009, 19:05
Hallo Sabine,

vorab... ich bin ein ausgemachter Fan der sog. "Wahlfamilie"... und warum auch nicht? Wenn die eigene Familie z.B. die Großelternrolle nicht abdecken kann oder will... Und überhaupt... was spricht dagegen, sich mit Menschen zu umgeben, die man mag, schätzt?

Die eigene Familie kann man sich nicht aussuchen und ganz sicher ist auch nicht überall alles "ideal"... oft genug ist die Harmonie erzwungen, weil man ja "verwandt" ist und meint miteinander umgehen zu müssen...

Kinder haben meist feine Antennen und spüren diese Misstimmungen... während wir Erwachsenen aus einer inneren Disziplin heraus gar nicht mehr wirklich bemerken, das unser "Netzwerk" gar keines ist... weil es gar keine wirklichen inneren Verbindungen gibt... und alles aufgesetzt wirkt.

Das ist natürlich kein Plädoyer gegen die reale, heile Familie, so sie es denn (noch) gibt...

Andernfalls spricht aber nichts dagegen Kinder mit der Wahlfreiheit zu konfrontieren, sie selbst sollen ja auch später in der Lage sein, sich Menschen zu suchen, die ihnen gut tun.

Einen Großvater suche ich ebenfalls...



Da ein neuer Partner nicht in Sicht ist und das ja auch nicht so einfach ist, haben wir also ein Problem.


Das ist der nächste Punkt... wenn man alleinerziehend ist, dann ist man nicht wirklich frei in der Partnerwahl, man wird viel sorgfältiger schauen und auf das eigene Kind bezogen prüfen müssen, ob es irgendwie funktionieren kann.... und zwar bevor man überhaupt eine neue Beziehung eingeht... ich jedenfalls halte nichts von Frauen, die sich ständig neu ausprobieren und alle Naselang ihren Kindern neue "Väter" präsentieren... auf lange Sicht kann das nicht gut gehen.

Bindet man sich dann... kann man auch nicht einfach mehr so auseinander laufen... wird selbst ggf. Abstriche machen müssen, weil es für das Kind wichtig ist, eine bestimmte männliche Bezugsperson auf Dauer haben zu können.

Gar nicht so einfach und schlimm, wenn sich die Erzeugerväter nicht wirklich regelmäßig kümmern... das würde ich jetzt allerdings nicht auf Jungen beschränken wollen, weil es auch Töchter gibt, die väterbezogen sind und diesen dann entsprechend vermissen... andere, spannende Frage ist, ob ein Elternteil, der nicht wirklich in Erscheinung tritt, tatsächlich vermisst würde... ob Alleinerziehende, gleich ob nun Männer oder Frauen nicht vielleicht automatisch auch den fehlenden Elternteil mit abdecken (müssen).

Ob irgendeine männliche Person einfach als Bezugsperson auftreten kann (und das überhaupt will und entsprechend ausfüllt), bloß weil es der Kindergärtner, Sportlehrer etc. ist... weiß ich auch nicht... ich denke, ab einem gewissen Alter suchen sich Kinder instinktiv ihre Lieblinge in Ergänzung zu ihren Eltern... sei es die beste Freundin der Mutter, der Patenonkel, eine Praktikantin im Kindergarten, den Vater des besten Freundes oder die liebe, alte Dame, die im gleichen Haus lebt... etc.

bine65
04.10.2009, 23:42
vorab... ich bin ein ausgemachter Fan der sog. "Wahlfamilie"... und warum auch nicht? Wenn die eigene Familie z.B. die Großelternrolle nicht abdecken kann oder will... Und überhaupt... was spricht dagegen, sich mit Menschen zu umgeben, die man mag, schätzt?

Das geht mir genauso. Vielleicht wäre das anders, wenn ich eine andere Familie hätte, beziehungsweise überhaupt eine Familie. Aber vermutlich würde ich das dann trotzdem so sehen. Es gibt so viele, die nur mit ihren Familienmitgliedern zusammen sind, weil sie eben zur Familie gehören. Wäre es nicht so, würden sie vermutlich nichts mit denen zu tun haben wollen. Aber eine Wahlfamilie muß auch erstmal gefunden werden.


Kinder haben meist feine Antennen und spüren diese Misstimmungen... während wir Erwachsenen aus einer inneren Disziplin heraus gar nicht mehr wirklich bemerken, das unser "Netzwerk" gar keines ist... weil es gar keine wirklichen inneren Verbindungen gibt... und alles aufgesetzt wirkt.

Genau. Davon habe ich mich glücklicherweise schon lange frei gemacht.


Das ist natürlich kein Plädoyer gegen die reale, heile Familie, so sie es denn (noch) gibt...

Nee, natürlich nicht.


Andernfalls spricht aber nichts dagegen Kinder mit der Wahlfreiheit zu konfrontieren, sie selbst sollen ja auch später in der Lage sein, sich Menschen zu suchen, die ihnen gut tun.

Das tue ich auch schon. Soweit es eben geht.


Einen Großvater suche ich ebenfalls...

Vielleicht können wir uns ja einen teilen... :D


Das ist der nächste Punkt... wenn man alleinerziehend ist, dann ist man nicht wirklich frei in der Partnerwahl, man wird viel sorgfältiger schauen und auf das eigene Kind bezogen prüfen müssen, ob es irgendwie funktionieren kann.... und zwar bevor man überhaupt eine neue Beziehung eingeht...

Genau das meinte ich damit, daß es nicht so einfach ist. Ich wundere mich immer wieder, wie scheinbar mühelos andere Alleinerziehende einen neuen Partner finden. Schon das Kennenlernen ist ja schwierig...


ich jedenfalls halte nichts von Frauen, die sich ständig neu ausprobieren und alle Naselang ihren Kindern neue "Väter" präsentieren... auf lange Sicht kann das nicht gut gehen.

Geht mir genauso. Das möchte ich meinem Sohn nicht zumuten. Es ist schon schlimm genug, daß sein Vater andauernd neue Freudinnen hat. Aber meinem Sohn dauernd neue Männer zu präsentieren, nee! Würde ich auch total unfair finden. Denn er kann sich dagegen ja nicht wehren, wird einfach vor vollendete Tatsachen gestellt. Und wenn der Neue dann mit einzieht, muß er sich irgendwie damit arrangieren. Ich würde mir die Entscheidung nicht leicht machen. Aber bisher stellt sich mir dieses Problem noch nicht. Siehe oben. Wie und wo jemanden kennenlernen? Ist aber auch wirklich nicht mein drängendstes Problem. ;)


Bindet man sich dann... kann man auch nicht einfach mehr so auseinander laufen... wird selbst ggf. Abstriche machen müssen, weil es für das Kind wichtig ist, eine bestimmte männliche Bezugsperson auf Dauer haben zu können.

Ja, so ist es. Und der Partner geht dann einfach, fühlt sich vermutlich auch nicht für das Kind verantwortlich, ist ja nicht seins. Es ist jedenfalls fraglich, ob der Kontakt nach einer Trennung erhalten bliebe. Vermutlich höchstens solange, bis eine neue Partnerin da ist. Das ist ja bei leiblichen Vätern auch schon oft so.


Gar nicht so einfach und schlimm, wenn sich die Erzeugerväter nicht wirklich regelmäßig kümmern... das würde ich jetzt allerdings nicht auf Jungen beschränken wollen, weil es auch Töchter gibt, die väterbezogen sind und diesen dann entsprechend vermissen...

Das stimmt natürlich, das betrifft auch Töchter. Da die meisten Alleinerziehenden aber immer noch Frauen sind, betrifft dieses Problem überwiegend Jungs, denke ich. Mädchen können sich naturgemäß mit ihrer Mutter identifizieren, aber mit wem sollen sich Jungs identifizieren, wenn nur die Mutter da ist?


andere, spannende Frage ist, ob ein Elternteil, der nicht wirklich in Erscheinung tritt, tatsächlich vermisst würde...

Das habe ich mich auch schon gefragt. Ob es nicht besser wäre, den Kontakt ganz abzubrechen. Aber mein Sohn fragt dauernd nach seinem Vater. Und der Vater will den Kontakt offenbar. Auch wenn er sich nur sporadisch kümmert. Ich habe schon daran gedacht, weiter weg zu ziehen, es dann aber nicht getan, weil ich ein schlechtes Gewissen gehabt hätte. Nicht meinem Ex gegenüber, sondern gegenüber meinem Sohn. Stattdessen bin ich sogar näher zu meinem Ex gezogen, weil der mir zugesagt hatte, daß er seinen Sohn dann öfter sieht als bisher. Ist bis jetzt nix draus geworden.

Ich weiß nicht, was wäre, wenn mein Sohn seinen Vater tatsächlich nicht mehr sehen würde. Würde er ihn dann immer noch vermissen oder ihn irgendwann vergessen? Keine Ahnung. Wenn der Vater den Kontakt irgendwann einstellen würde, dann ist das eben so. Damit müsste mein Sohn dann leben. Wenn das aber von mir aus ginge, hätte ich vermutlich ewig ein schlechtes Gewissen. Und mein Sohn würde irgendwann Rechenschaft von mir verlangen...
Schwierige Entscheidung. Das belastet mich sehr.


ob Alleinerziehende, gleich ob nun Männer oder Frauen nicht vielleicht automatisch auch den fehlenden Elternteil mit abdecken (müssen).

Ja sicher. Wir haben ja auch keine andere Wahl. Das tue ich von Anfang an, wie vermutlich alle anderen auch. Aber ideal ist das nicht. Nicht fürs Kind und erst recht nicht für die Mutter. Denn das ist sehr, sehr kräftezehrend.


...ich denke, ab einem gewissen Alter suchen sich Kinder instinktiv ihre Lieblinge in Ergänzung zu ihren Eltern... sei es die beste Freundin der Mutter, der Patenonkel, eine Praktikantin im Kindergarten, den Vater des besten Freundes oder die liebe, alte Dame, die im gleichen Haus lebt... etc.

Das ist sicher so. Aber was mache ich bis dahin? :think:
Mit meiner Hausgemeinschaft komme ich leider auch nicht weiter. Mehr als heiße Luft ist immer nicht. seufz2

laukasius
05.10.2009, 00:18
Eigentlich mische ich mich in solche Unterhaltungen nicht gern ein, weil die Damen in der Regel eine abneigende Meinung entwickeln.

Trotzdem möchte ich die Frage stellen, ob man Kinder nicht unterschätzt?

Sind sie nicht wesentlich schneller anpassungsfähig, als man selbst annimmt?

Neue Beziehungen müssen absolut nicht schlecht sein, man muss sie aber einflechten.

Meine eigene Erfahrung war eigentlich die, dass man Kinder nicht das Gefühl geben darf, wenn ein neuer Mann auftaucht, dass ihnen der alte Vater weggenommen wird.
Da soll es ja die Situationen geben, dass der *Neue* sehr schnell Papa genannt werden muss.
Eigentlich grauenhaft und so wird man auch nie eine Beziehung aufbauen können.

Ein wenig Interesse und auch Zeit, sich mit dem Kind zu befassen, reicht eigentlich schon aus, um da sehr schnell ein Vertrauen aufzubauen.

Wenn natürlich der Partner häufig wechselt, kann sich auch nichts aufbauen.

Befürchtungen hatte ich nach meiner Scheidung mit meinen zwei Kindern auch einmal, wenn dann beiderseits andere Partner auftauchen.

Das hatte sich aber nach einigen Absprachen sehr schnell gelegt und heute kann ich sagen, dass sie sehr selbstständig aufgewachsen sind.

Man macht sich oft zu schnell und zu sehr Sorgen, die eigentlich nicht begründet sind.

bine65
05.10.2009, 00:50
Eigentlich mische ich mich in solche Unterhaltungen nicht gern ein, weil die Damen in der Regel eine abneigende Meinung entwickeln.

Das ist schade. Und es kann doch hier jeder seine Meinung dazu sagen. Jeder Hinweis ist mir willkommen.


Trotzdem möchte ich die Frage stellen, ob man Kinder nicht unterschätzt?

Sind sie nicht wesentlich schneller anpassungsfähig, als man selbst annimmt?

Natürlich! Ich unterschätze meinen Sohn keineswegs, ganz im Gegenteil. Ich lasse ihn weitestgehend in allen Belangen selbst entscheiden. Erst recht, wenn es ihn direkt betrifft. Wie anpassungsfähig mein Sohn ist, weiß ich spätestens seit unseren vielen Umzügen. Aber das ging natürlich nicht spurlos an ihm vorbei. Er hat seeeehr darunter gelitten.


Neue Beziehungen müssen absolut nicht schlecht sein, man muss sie aber einflechten.

Klar. Das hat ja auch niemand gesagt, daß neue Beziehungen schlecht wären.


Meine eigene Erfahrung war eigentlich die, dass man Kinder nicht das Gefühl geben darf, wenn ein neuer Mann auftaucht, dass ihnen der alte Vater weggenommen wird.

Natürlich nicht. Aber das würde ich sowieso nicht tun und ich denke, Kristin denkt da genauso. Darum geht es ja auch gar nicht.


Da soll es ja die Situationen geben, dass der *Neue* sehr schnell Papa genannt werden muss.
Eigentlich grauenhaft und so wird man auch nie eine Beziehung aufbauen können.

Das gibt es sicher. Aber das kann man auch nicht verallgemeinern. Mein Sohn muß gar nichts, das wäre seine eigene Entscheidung.


Ein wenig Interesse und auch Zeit, sich mit dem Kind zu befassen, reicht eigentlich schon aus, um da sehr schnell ein Vertrauen aufzubauen.

Sooo einfach ist es leider nicht. Ich hatte schon Probleme, ganz normale Freundschaften aufzubauen, ja überhaupt mich mit anderen Müttern zu treffen. Mein Sohn hat das lange Zeit torpediert, sodass ich entnervt aufgegeben hatte. Er ist extrem eifersüchtig, wehe ich schenke einem anderen Menschen zuviel Aufmerksamkeit, dann flippt er richtig aus. Da hilft auch viel Zeit nicht. Ich habe es versucht. Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn ich plötzlich mit einem Mann ankäme...
Da bleibt nur abwarten, er wird ja älter und klammert dann vielleicht nicht mehr so.
Ach ja, und wenn die Chemie nicht stimmt, geht sowieso gar nichts. Mein Sohn ist da ganz klar. Für ihn gibt es nur schwarz oder weiß. Entweder er mag jemanden oder eben nicht. Wenn nicht, ist nix zu machen.


Man macht sich oft zu schnell und zu sehr Sorgen, die eigentlich nicht begründet sind.

Das mag sein. Ich mache mir aber lieber einmal zuviel Sorgen als zuwenig. Ich wollte eigentlich auch nur sagen, daß es nicht leicht ist, überhaupt einen neuen Partner zu finden als Alleinerziehende. Ich habe es beispielsweise in den knapp viereinhalb Jahren, in denen mein Sohn auf der Welt ist, nicht ein einziges Mal geschafft, auszugehen. Wie auch? Ich habe keine Betreuung für meinen Sohn. Fremdbetreuung ging aus verschiedenen Gründen nicht. Und der Vater kommt selten zum Einhüten. Wenn ich abends mal weg war, dann wegen Elternabend, aber das auch nur selten.
Unter diesen Umständen wüßte ich nicht, wo ich jemanden kennenlernen sollte. Selbst simple Freundschaften zu schließen ist so schwierig.
Geschweige denn, einen Partner zu finden. Die Männer, die mir in den letzten Jahren begegnet sind, waren meist Väter anderer Kinder und natürlich verheiratet, beim Kinderturnen beispielsweise. Alleinerziehende Väter sind ja noch die Ausnahme.

Ohne Kind oder wenn es schon älter ist, ist es sicher leichter. Eine neue Beziehung braucht ja auch Zeit und Raum, die Alleinerziehende oft nicht haben. Ich muß ja auch selbst erstmal rausfinden, ob das was werden könnte, bevor ich meinen Sohn damit konfrontiere. Und dann muß sich zeigen, ob das mit den beiden harmoniert. Und was wenn nicht? Es sind schon viele neue Partnerschaften an diesem Druck wieder zerbrochen...

Was ich sage wollte, es ist eben nicht einfach.

laukasius
05.10.2009, 01:41
biene,

ich habe damals mit Amerikanern gebowlt.

Deren Kinder waren einfach dabei, unsere Kinder waren wohlbehütet daheim.

Ich habe damals den Kopf geschüttelt, habe diese Erfahrung aber auch in den südlichen Ländern gemacht, dass die Kinder immer dabei waren.

Wir haben uns hier eine Eigenart geschaffen, dass sie letztendlich immer ausgeschlossen werden.

Ich habe keine traurigen Kinder erlebt, noch irgendwie verstörte.

Wir möchten einen neuen Partner kennen lernen, natürlich ohne Kinder.

Säuglinge kann man natürlich nicht herumschleppen.

Irgendwie sind wir total verklemmt.

Wenn ich da ehrlich bin, ich will jetzt nicht strunzen, da ich jahrelang nicht mehr verheiratet war, hat man auch im Laufe der Zeit mehrere Beziehungen, muss ich sagen, dass sich ein Kennenlernen immer in irgendwelchen dummen Gelegenheiten ergeben hatte.

Ein genau angelegtes Ausgehen hatte da kaum Erfolg.

Kinder waren eigentlich nie ein Problem, was ich auch schon in anderen Beiträgen beschrieben hatte.

Auch heute haben wir, obwohl ich schon langjährig gut vergeben bin, immer noch gute Kontakte und da bin ich mächtig stolz darauf.

bine65
05.10.2009, 02:24
biene,

ich habe damals mit Amerikanern gebowlt.

Deren Kinder waren einfach dabei, unsere Kinder waren wohlbehütet daheim.

Ich habe damals den Kopf geschüttelt, habe diese Erfahrung aber auch in den südlichen Ländern gemacht, dass die Kinder immer dabei waren.

Wir haben uns hier eine Eigenart geschaffen, dass sie letztendlich immer ausgeschlossen werden.

Ich habe keine traurigen Kinder erlebt, noch irgendwie verstörte.

Genau das kritisiere ich an unserer Gesellschaft. Kinder werden ausgeschlossen. So wie Du es beschreibst, wäre es richtig. Aber mach das mal in Deutschland...
Es gibt zwei Welten in diesem Land, die der Erwachsenen und die der Kinder. Beide werden schön voneinander getrennt gehalten. Kinder stören ja schließlich nur. seufz2
Ich wünsche mir das auch anders. Eine Welt, in der Kinder ganz selbstverständlich dazu gehören. Hierzulande entschuldigen sich viele ja schon, wenn sie ihre Kinder zu einem Treffen mitbringen.


Wir möchten einen neuen Partner kennen lernen, natürlich ohne Kinder.

Nöö, ich nicht, mein neuer Partner darf natürlich gern Kinder haben, das wäre wunderbar!


Säuglinge kann man natürlich nicht herumschleppen.

Jedenfalls nur begrenzt.


Irgendwie sind wir total verklemmt.

Stimmt. Die Verklemmtheit haben die Deutschen gepachtet, und noch so einiges mehr.


Wenn ich da ehrlich bin, ich will jetzt nicht strunzen, da ich jahrelang nicht mehr verheiratet war, hat man auch im Laufe der Zeit mehrere Beziehungen, muss ich sagen, dass sich ein Kennenlernen immer in irgendwelchen dummen Gelegenheiten ergeben hatte.

Ein genau angelegtes Ausgehen hatte da kaum Erfolg.

Das ist meistens so, war bei mir auch immer so. Aber das ist schon Lichtjahre her. In meinem Leben gibt es aber nicht mal "dumme Gelegenheiten". Und das Ausgehen wäre in erster Linie für meine Entspannung, mein Frausein, einfach mal wieder unter Leute, vielleicht ein bißchen flirten um zu sehen ob es noch geht und mich mal wieder als Frau zu fühlen. Ich würde nicht losziehen mit dem Ziel, einen Partner zu finden.


Kinder waren eigentlich nie ein Problem, was ich auch schon in anderen Beiträgen beschrieben hatte.

Für mich sind Kinder auch kein Problem. Aber für viele andere in unserer Gesellschaft. Das erlebe ich tagtäglich.


Auch heute haben wir, obwohl ich schon langjährig gut vergeben bin, immer noch gute Kontakte und da bin ich mächtig stolz darauf.

Das ist doch schön. Und gar nicht so einfach.

chrisi24
21.03.2010, 12:41
I bin selber alleinstehende Mutti einer drei jährigen Tochter. Der kv hat mich in der Schwangerschaft sitzen gelassen was i natürlich nicht schön finde erst hatten wir jedes we gehabt das der kv die kleine sehen kann. Dann alle zwei Wochen und nun ist es schon so weit das er sie nur noch ein mal im Monat sehen will. Aber das sie ihm vermisst oder so ist ihn egal

Rudolf
06.09.2010, 16:19
Kennt hier jemand das Problem? Wisst Ihr, was ich meine?

Kenne ich sehr gut, allerdings andersrum. Ich bin seit 4 Jahren alleinerziehender Vater einer Tochter. Mama kommt einmal im Monat für 3- 4 Tage zu Besuch. Das gibt unserer Tochter zwar das Gefühl daß hier eine Mutter, die das Kind im Alter von 2 1/2 Jahren und mich verließ, vorhanden ist. Aber diese "Kurzbesuche" ersetzen keine richtige weibliche Bezugsperson. Ich habe zum Glück hier einen Ersatz in Form von KITA-Betreuerinnen und nun Lehrerinnen, der Rest wird durch meine Familie und Freundinnen abgedeckt.
Sicher wäre eine harmonische Ehe für das Kind besser, aber daß es nicht so sein sollte hat meine Frau entschieden.